Prof. Michael Schwertel vor dem Never Gonna Give You Up Logo der re:publica 2026 Berlin

„Wenn Fakes egal werden“ Mein Vortrag auf der re-publica 2026

Die re-publica 2026 war wieder das, was sie immer ist. Europas wichtigster Treffpunkt für alle, die digitale Gesellschaft gestalten wollen.

Ich durfte in diesem Jahr einen eigenen Vortrag halten und ich bin noch immer begeistert von dieser Erfahrung.


Der Vortrag: „Wenn Fakes egal werden“

„Wenn Fakes egal werden: Vertrauen als letzte Währung der Öffentlichkeit“,  so lautete mein Thema. Und es trifft eine Problematik, die gerade bei Medienmachern, Journalisten und allen mit Reichweite sitzt.

Die zentrale These: Das Problem KI-generierter Bilder und Videos liegt nicht in ihrer Existenz. Es liegt darin, wer sie zeigt und warum.

Ein konkretes Beispiel, das dies zeigt lief im November 2025 und zeigte eine der meistgesehenen Talkshows Deutschlands ein KI-generiertes Video, in dem Trump auf Demonstranten reagierte. Jeder im Raum und der damaligen Zuschauer wussten das es ein fake war. Trotzdem blieb Trumps Narrativ hängen und nicht die sieben Millionen Menschen, die auf der Straße waren.

Das ist der Mechanismus, den ich im Vortrag analysierte. Wer es zeigt, entscheidet über Bedeutung und Wirkung. Und Kennzeichnungspflicht löst das nicht, wie es Studien belegen, dass Menschen dem Inhalt von Deepfakes vertrauen, selbst wenn sie vorher explizit gewarnt wurden.

Was bleibt, ist Vertrauen in den Absender. Medienmarken, Journalisten und Influencern mit Reichweite. Sie alle entscheiden täglich, was zur Öffentlichkeit wird. Sie zeigen keine neutrale Handlung. Auch mit mitgelieferten Kontext nicht.

Fakes müssen nicht täuschen, um zu wirken. Sie müssen nur gezeigt werden.


Slopaganda – wenn Propaganda Spaß macht

KI-generierte Inhalte haben eine neue Form der Propaganda hervorgebracht. Die ich Slopaganda: Inhalte, die unterhaltsam, emotional, schnell und kurzweilig sind und deshalb viral gehen. Anders als klassische Propaganda, die belehrt oder einschüchtert, verbreitet sich Slopaganda, weil sie Spaß macht. Die Lego-Filme des Iran, die Trump und Epstein zusammen zeigen. Das KI-Video von Trump im Kampfjet oder das Merz-Muppet auf TikTok. Alle offensichtlich fake, aber alle millionenfach geteilt. Der Unterton, der dabei mitschwingt, wird transportiert, ob man will oder nicht. Wer lacht, verbreitet es gerne, aber legitimiert es damit auch.


Was die Forschung sagt

Das ist wissenschaftlich belegt. Eine Studie in Communications Psychology (2026) zeigt in drei Experimenten: Menschen verlassen sich auf den Inhalt von Deepfake-Videos bei moralischen Urteilen, selbst wenn sie vorher explizit gewarnt wurden, dass das Video fake ist. Die Warnung ändert dabei nichts. Und noch beunruhigender ist Ahmed et al. (2024), der untersuchte in acht Ländern den Zusammenhang zwischen Deepfake-Kenntnis und Anfälligkeit für Desinformation. Das Ergebnis war, dass wer Deepfakes kennt und weiß wie sie funktionieren, glaubt danach sogar häufiger, das echte Bilder auch falsch sein könnten. Medienkompetenz allein schützt nicht mehr. Der Effekt bleibt, ganz unabhängig von Bildung und kognitiven Fähigkeiten.

Was jetzt zu tun ist

Die Frage ist also nicht mehr, ob KI-Inhalte weiter produziert werden. Das lässt sich nicht verhindern. Die Frage ist, wie wir als Redaktionen, Journalisten und alle mit Reichweite damit umgehen. Drei Haltungen helfen dabei:

Das Nicht-Gezeigte sichtbar machen. Wer über ein KI-Video berichtet, sollte auch zeigen was es verdrängt. Zum Beispiel die sieben Millionen Demonstranten, die echten Bilder, den realen Kontext. Redaktionelle Verantwortung beginnt nicht beim Zeigen, sondern beim Weglassen.

Aufmerksamkeit als knappe Ressource behandeln. Nicht jeder virale Fake ist eine Meldung wert. Die Entscheidung, etwas zu zeigen, ist immer auch eine Entscheidung, etwas anderes nicht zu zeigen. Dieser Trade-off muss bewusst getroffen werden.

KI-Inhalte nicht als Entertainment nutzen. Dafür sind die Narrative, die dabei transportiert werden, zu komplex und zu wirkmächtig. Wer ein KI-Video zur Auflockerung zeigt, gibt ihm Bedeutung , egal wie gut die Einordnung danach ist.

Dabei lässt sich Vertrauen nicht durch Kennzeichnung reparieren. Es entsteht durch konsequente redaktionelle Haltung in jeder Entscheidung.


Meine drei Highlights der re-publica 2026

re-publica 2026 Berlin Bühne Vortrag
Die Atmosphäre auf der re-publica 2026 in der Station Berlin – drei Tage digitale Gesellschaft, Debatten und Begegnungen.

Francesca Bria hielt einen der eindringlichsten Vorträge des Festivals. Wie auf einer Perlenkette reihte sie die sicheren Schritte in eine digitale Dystopie auf. Nicht als Schwarzmalerei. Eher als präzise Analyse dessen, was passiert, wenn Europa nicht handelt. Düster, aber notwendig. Der Vortrag machte die alternativlose Pflicht zum Handeln deutlich. Gerade für Deutschland.

Francesca Bria Vortrag re-publica 2026 Berlin digitale Dystopie Europa
Francesca Bria auf der re-publica 2026 – ein eindringlicher Vortrag über die sicheren Schritte in eine digitale Dystopie und die Pflicht Europas zum Handeln.

Arne Semsrott lieferte mit seinem Vortrag kurz vor Schluss noch mich einen der stärksten Momente des Festivals. Wer Transparenz und Informationsfreiheit für selbstverständlich hält, wurde hier eines Besseren belehrt.

Arne Semsrott Vortrag re-publica 2026 Berlin Informationsfreiheit Transparenz
Arne Semsrott auf der re-publica 2026 – einer der für mich stärksten Vorträge der re-publica über Informationsfreiheit und Transparenz.

Das Wichtigste aber: Die Menschen dort. Die re:publica ist kein reines Konferenzformat. Sie ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die an einer positiven Zukunft arbeiten. Ideen entstehen nicht auf der Bühne, sondern in den Gesprächen dazwischen. Dafür bin ich dem gesamten Team der re:publica und allen, die dabei waren sehr dankbar.


Wer mich als Speaker für Ihr nächstes Event buchen möchte oder einen KI-Workshop für Ihre Organisation sucht: Ich freue mich auf Ihre Anfrage.

– Mehr über meine Vorträge – Mein Profil auf der re:publica


 

Table of Contents

Prof. Michael Schwertel vor dem Never Gonna Give You Up Logo der re:publica 2026 Berlin
Panel zu KI im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beim ARD/ZDF/Deutschlandradio/DW Freienkongress in Bonn mit Prof. Michael Schwertel, Jan Eggers und Moderatorin Stefan Tiyavorabun
Keynote Speaker für Künstliche Intelligenz Prof Michael Schwertel bei Vortrag auf IHK Köln Bühne
Prof. Michael Schwertel im Interview mit RTL Punkt12 über virale KI-Früchte auf TikTok
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