Am Wochenende durfte ich am Simon Ohm Berufskolleg in Köln einen Vortrag halten, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Der Titel hätte kaum besser passen können: Die Zukunft ist jetzt. Im Zentrum stand eine Frage, die viele Auszubildende aktuell bewegt: Warum heute noch eine Mediengestalter Ausbildung machen, wenn KI alles verändert?
Innovationen im Wochenrhythmus
Ich habe gezeigt, warum sich Innovationen derzeit so rasant entwickeln und warum gerade Künstliche Intelligenz der Treiber dieser Beschleunigung ist. Wir sprechen nicht mehr über jahrelange Zyklen, sondern über Wochenabstände, in denen neue Tools, Workflows und Möglichkeiten entstehen. Das Berufsbild der Mediengestaltung wird dadurch ständig neu sortiert. Was heute State of the Art ist, wirkt morgen bereits überholt.
Genau deshalb ist Lernen kein Nice-to-have mehr. Es ist die Voraussetzung, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Wer glaubt, man könne einfach abwarten, wird von der Realität überholt.
Warum Ausbildung wichtiger ist denn je
Trotzdem oder gerade deshalb ergibt eine Ausbildung heute enorm viel Sinn. Eine gute Mediengestalter Ausbildung vermittelt Grundlagen, Denkweisen und ein Verständnis für Gestaltung, Technik und Prozesse. Diese Basis ist entscheidend, um neue Werkzeuge sinnvoll einsetzen zu können. Ohne Fundament bleibt selbst die beste Technologie ineffizient.
Ich habe das mit einem Bild beschrieben: Es ist, als hätte man ein wunderbares Auto, fährt aber mit angezogener Handbremse im ersten Gang. Kommt dann der nächste Düsenantrieb dazu, bleibt die Handbremse trotzdem drin. Nicht die Technik bremst uns, sondern fehlendes Verständnis.

Spezialisten statt Einheitslösungen
Wir brauchen keine austauschbaren Klickarbeiter. Wir brauchen Spezialistinnen und Spezialisten, die viel können, viel wissen und den Zeitgeist von 2026 oder 2027 bereits heute mitdenken. Niemand möchte Gestaltung von 2020 sehen. Erwartet wird die Gestaltung von jetzt und von morgen.
Das gilt besonders für Medienberufe. Gestaltung ist immer Ausdruck ihrer Zeit. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, muss neugierig bleiben, sich ständig weiterentwickeln und genau beobachten, was am Markt passiert.
KI, Agenten und neue Arbeitsweisen
In der Diskussion kam auch zur Sprache, wie flexibel Lehre heute sein muss. KI gehört in den Unterricht, aber nicht als Abkürzung, sondern als Werkzeug. Nur wer die Grundlagen beherrscht, kann mit KI wirklich schneller, besser und kreativer arbeiten.
Ein spannender Moment war für mich die Reaktion auf KI Agenten, die Aufgaben eigenständig übernehmen können. Dass solche Systeme selbst in einer sehr innovationsoffenen Community nach zwei Wochen noch wenig bekannt waren, fand ich überraschend und ehrlich gesagt auch ein wenig witzig. Gleichzeitig zeigt es, wie schnell sich der Horizont gerade verschiebt und welche Auswirkungen das auf Gestaltung und Produktionsprozesse haben wird.

Leidenschaft lässt sich nicht automatisieren
Ein echtes Highlight war der Vortrag einer ehemaligen Auszubildenden, die heute im Eventbereich mit Pyrotechnik arbeitet. Die Energie, das Feuer und die Leidenschaft, mit der sie von ihrem Job erzählte und die Probleme schilderte, die sie täglich löst, haben mir noch einmal sehr deutlich gemacht: Solche Berufe sind nicht ersetzbar.
Das ist nichts, was man mit einer App einem Kunden anbietet. Dafür braucht es Erfahrung, Verantwortung, Kreativität und Begeisterung. Technik kann unterstützen, aber sie kann diese Art von Können nicht ersetzen.

Fazit
Die Angst, durch KI überflüssig zu werden, ist verständlich, aber oft übertrieben. Gleichzeitig ist klar: Wer stehen bleibt, verliert. Die Antwort kann nur sein, mehr zu lernen, nicht weniger. Ausbildung, Weiterbildung und Neugier sind die beste Vorbereitung auf das, was kommt.
Die Zukunft ist nicht irgendwann. Sie ist längst da. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, sie aktiv zu gestalten.



