Ich habe heute in der Tagesschau gelesen, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025 gewählt hat. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass künstliche Intelligenz aus dem wissenschaftlichen Umfeld in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist und einen historischen Wandel auslöst, der mit der industriellen Revolution vergleichbar sei.
Das ist gut nachvollziehbar. Gleichzeitig irritiert mich die Wortwahl. „KI-Ära“ wirkt für mich wie ein typisches Muster, das wir aus Large Language Models kennen. Genau solche Begriffe tauchen häufig in KI generierten Texten auf. Besonders das Wort „Ära“ erscheint im deutschsprachigen KI Stil fast wie ein Erkennungszeichen, das sich über Übersetzungsgewohnheiten aus dem Englischen in unsere Sprache hineinbewegt.
Damit stellt sich die Frage, ob wir zum ersten Mal ein Wort des Jahres haben, das nicht nur unsere Zeit beschreibt, sondern selbst ein Produkt der technologischen Sprachveränderung ist. Ein Begriff, der einerseits einen Wendepunkt markieren soll und andererseits bereits von genau jener Technologie geprägt wurde, die diesen Moment hervorbringt.
Ob diese linguistische Dimension in der Jury bewusst diskutiert wurde? Wurde „Ära“ als moderner und prägnanter Begriff gewählt oder spielte der Einfluss KI generierter Sprachmuster eine Rolle.
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