Diese Grafik aus einer Masterarbeit hat mich ehrlich gesagt länger beschäftigt als gedacht.
Die dargestellte Handlungsempfehlung ist sauber, realistisch und für ein KMU absolut plausibel gedacht. Pilotprojekt. Dann Datenintegration, die auch einfach Zeit braucht. Danach Skalierung und strategische Verankerung. Schritt für Schritt, mit geringem Risiko, prozessübergreifend, gut kommunizierbar im Team. Genau so funktionieren viele Organisationen in der Realität. Und genau deshalb wirkt diese Empfehlung so überzeugend.
Und trotzdem bleibt bei mir ein Unbehagen.
Wir erleben gerade ein exponentielles Wachstum bei Innovationen. Sehr vieles deutet darauf hin, dass wir allein in diesem Jahr einen massiven Leistungssprung bei generativer KI sehen werden. Vor diesem Hintergrund wirkt ein Zeithorizont bis 2027 fast schon entschleunigt. Vielleicht sogar gefährlich entschleunigt, wenn Wettbewerbsvorteile in immer kürzeren Zyklen entstehen.
Gleichzeitig weiß ich aus unzähligen Workshops und Projekten: Genau diese Zeitfenster sind für viele KMUs real. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Verantwortung. Teams müssen mitgenommen werden. Prozesse dürfen nicht kollabieren. Vertrauen, Akzeptanz und Kompetenzaufbau entstehen nicht über Nacht.
Und doch frage ich mich, ob wir unser Denken anpassen müssen.
Was passiert, wenn wir heute sauber bis 2027 planen, unterwegs aber völlig neue Lösungen entstehen, die alles bisher Gedachte überholen. Müssen wir dann nicht schneller iterieren, mutiger abbrechen, früher neu entscheiden und diese Möglichkeit von Anfang an mitdenken. Vielleicht nicht alles absichern, sondern bewusst mit Unsicherheit arbeiten und Strategien flexibler bauen.
Für mich liegt hier eine spannende Spannung: Realismus versus realistische Utopie.
Ich frage mich:
Lieber langsam, stabil und anschlussfähig.
Oder schneller reagieren, um die wirklichen Vorteile nicht zu verpassen.
Oder brauchen wir ganz neue Zeitlogiken für Innovation in KMUs, die beides gleichzeitig erlauben.



